Mary Carroll, eine Australierin in Berlin. Was können wir von Ihnen als Australierin lernen?

Australien ist ein Schmelztiegel verschiedener ethnischer Gruppen und Kulturen. Dies hat zu einer sehr offenen und toleranten Haltung gegenüber anderen und der Akzeptanz kultureller, individueller und sprachlicher Unterschiede geführt. Da Australien ein Einwanderungsland ist, glauben wir fest daran, dass man im Leben nur durch Eigeninitiative vorankommt. Toleranz, Akzeptanz von Andersartigkeit und Eigeninitiative sind Eigenschaften, die auch in Deutschland etwas mehr gepflegt werden könnten.

Apropos Lernen. Zu Beginn Ihrer Karriere waren Sie in der Lehre tätig. Jetzt sind Sie Geschäftsführerin einer Untertitelungs- und Übersetzungsfirma. Bestehen da Zusammenhänge?

Auf jeden Fall. Ich habe mich schon immer für Sprachen und interkulturelle Kommunikation interessiert. Meine weitere Leidenschaft galt dem Theater und dem Film. Daher war es naheliegend, eine Übersetzungs- und Untertitelungsfirma zu gründen, deren Schwerpunkt auf gerade den Gebieten liegt, die mich persönlich am meisten faszinieren. Meine Erfahrungen in der Lehre waren unverzichtbar für das Durchführen von Schulungen im Bereich der Untertitelung und Übersetzung für audiovisuelle Medien und für unseren Consulting Service, insbesondere im Hochschulbereich.

Man sagt, dass man 7 bis 10 Jahre braucht, um sich ein fundiertes Fachwissen anzueignen. Sie und viele Ihrer Mitarbeiter sind Fachleute im Bereich Sprachen. Wie spiegelt sich ihr Fachwissen in der Praxis wider?

Wir bieten bereits seit über 25 Jahren Übersetzungs- und Untertitelungsdienste an, anfänglich unter dem Namen Language Consultancy und später als TITELBILD. Da versteht es sich von selbst, dass wir über einen sehr großen Erfahrungsschatz verfügen. Wir sind Sprachspezialisten auf vielen verschiedenen Fachgebieten einschließlich Wirtschaft, Marketing, Public Relations, Bildung und Sozialwissenschaften. Daneben haben wir uns eine Nische als Experten im Bereich multilingualer Übersetzungen für audiovisuelle Medien und für den barrierefreien Zugang vor allem für hörgeschädigte Menschen geschaffen. Bekanntlich werden Übersetzer besser, je länger sie in ihrem Beruf arbeiten. Hier bei TITELBILD haben wir eine optimale Mischung aus sehr erfahrenen und jungen Übersetzern und Übersetzerinnen, so dass das Fachwissen von einer Generation direkt an die nächste weitergegeben werden kann.

Deutschland definiert sich als Wissensgesellschaft, zu der selbstverständlich auch der Dienstleistungsbereich gehört. Unterhält TITELBILD Verbindungen zum Hochschulbereich oder zu Forschungskreisen?

Wir haben sowohl in Deutschland als auch im Ausland enge Verbindungen zu universitären Einrichtungen. Wir bieten Universitätsabsolventen die Gelegenheit, Praktika und Volontariate bei uns zu absolvieren. Außerdem pflegen wir den Gedanken- und Erfahrungsaustausch und unterhalten Kontakte zu Diplomanden und Doktoranden, die im Bereich der Übersetzung für audiovisuelle Medien, einem unserer Fachgebiete, wissenschaftliche Arbeiten anfertigen. Ich denke, es gibt einen großen Bereich, in dem die Kooperation mit Universitäten für beide Seiten vorteilhaft ist. Ich bin im Lenkungsausschuss der Konferenz „Languages and the Media“ tätig, die alle zwei Jahre in Berlin stattfindet und eine Diskussionsplattform für die Medien- und Sprachenindustrie sowie für Akademiker darstellt. Sie bietet ferner die Möglichkeit, sich über bestehende und neue Trends auszutauschen. Des Weiteren bin ich Mitglied von Transforum, einem Gremium, dem sowohl Vertreter der Übersetzer- und Dolmetscherlehrgänge an Hochschulen als auch Vertreter verschiedener Wirtschaftssektoren, in denen Übersetzungsdienste angeboten werden, angehören. Außerdem bieten wir Studentengruppen regelmäßig die Gelegenheit, uns zu besuchen und einen Einblick in das Übersetzen für audiovisuelle Medien zu erhalten. Oft werde ich auch zu verschiedenen Konferenzen im In- und Ausland eingeladen, um insbesondere über die Untertitelung zu referieren. Die von uns angebotenen Untertitelungskurse werden von Übersetzern und Hochschuldozenten aus aller Welt besucht, die mehr über dieses Gebiet erfahren möchten. Außerdem bin ich Mitglied bei der ESIST (European Association for Studies in Screen Translation), der Forschungsgruppe Transmedia und dem BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer).

Sie kommen aus Australien, d. h. aus einer Kultur, in der wesentlich mehr Wert auf Kundenservice gelegt wird als hier in Deutschland. Was ist für Sie als Anbieter von Dienstleistungen und auch als Kunde besonders wichtig? Vielleicht könnten Sie mir ein paar Tipps geben, wie ich Sie als treuen Kunden gewinnen könnte?

Mich als treuen Kunden gewinnen? Das ist nicht schwer. Seien Sie einfach Sie selbst. Freundlich, hilfsbereit, gut informiert, verlässlich und kompetent. Bewahren Sie einen klaren Kopf, wenn Schwierigkeiten auftreten sollten, und zeigen Sie einen kreativen Ansatz, wenn ich ein komplexes Problem anspreche. Schauen Sie auch nach links und rechts (lacht), oder verlange ich zu viel?

Nun, das wären Optimalbedingungen. Wie dem auch sei, ich glaube fest daran, dass sich ein optimistischer und positiver Ansatz immer bezahlt macht: Man sollte das Unmögliche versuchen und für die Menschen da sein. Das mag vielleicht auch die langen Geschäftszeiten bei TITELBILD (8:30 bis 20ºº Uhr) erklären.